Sprachförderung

Mehrsprachigkeit in der Familie: Meine Tipps für den Sprachgebrauch

Logopädie-Mehrsprachigkeit-Methoden

Oft werde ich von mehrsprachigen Familien gefragt, welche Sprache sie denn nun in ihrer Familie und vor allem im Gespräch mit ihren Kindern verwenden sollen. Ich merke, dass das Thema mehrsprachige Familie oft verunsichert. Daher möchte ich euch in diesem Artikel einige Tipps geben, damit ihr eventuell auch für euch eine passende Lösung findet.

Mehrsprachigkeit in der Familie

Kürzlich bat mich eine mehrsprachige Familie um Hilfe, die seit einigen Jahren in Deutschland wohnt. Da die Sprachentwicklung ihres Sohnes noch nicht so weit ausgeprägt war, wie die der meisten gleichaltrigen Kinder in der Kita, machten sich die Eltern Sorgen, ob ihr gewählter Sprachgebrauch nun der Richtige sei.

Methoden der mehrsprachigen Erziehung

Vor der Geburt ihrer Kinder hatte sich die Familie damit beschäftigt, wie sie ihre Kinder mehrsprachig aufwachsen lassen möchten. Die Muttersprache des Vaters ist slowakisch, die der Mutter deutsch.

Wenn sich die Eltern miteinander unterhielten, sprachen sie ebenfalls deutsch. In einem Ratgeber wurde ihnen die Methode „one person – one language“ empfohlen, d.h. jede Person spricht konsequent nur in seiner Muttersprache mit dem Kind. Die Familie entschied sich dafür, dieses Prinzip zu versuchen.

Doch schon bald erkannten sie Stolpersteine: Beispielsweise beim Beisammensein mit Freunden, die slowakisch nicht verstanden, fühlte sich der Vater unwohl, mit den Kindern in seiner Muttersprache zu sprechen. Es fiel ihm schwer, außerhalb der Wohnung das Prinzip konsequent umzusetzen und fühlte sich davon gestresst. Und das ist schade, denn Mehrsprachigkeit kann das Familienleben ungemein bereichern.

Zusammen mit der Familie habe ich zunächst ein Schema skizziert, aus dem hervorgeht, wer eigentlich wie mit wem kommuniziert und stellte ihnen andere Methoden der mehrsprachigen Erziehung vor. Dazu zählen z.B. folgende:

  • „Familiensprache-Umgebungssprache“, das heißt, innerhalb der Familie wird anders gesprochen, als in der Umgebung
  • Situationsabhängige Sprache, z.B.
    • je nachdem, ob Mama oder Papa da ist
    • je nach Intimität des Themas
    • Wochenendsprache-Werktagssprache (wenn ein Elternteil z.B. auf Montage ist)
  • „der erste Satz zählt“ (je nachdem in welcher Sprache ein Gespräch begonnen wird, wird es in dieser fortgeführt)

Welche Methode ist nun die Richtige?

Es gibt keine Regel der Sprachentrennung, die ich allen mehrsprachigen Familien gleich empfehlen kann, da es so viele verschiedene Ausgangslagen gibt, die sich in Qualität und Quantität des Sprachgebrauchs, familiären Hintergründen, Erwartungen usw. unterscheiden. So gibt es auch Familien, die mit der Methode „one person – one language“ gut zurechtkommen.

Wichtig ist, sich für eine Regel zu entscheiden und bei dieser weitestgehend konsequent zu bleiben, um den Kindern eine klare Struktur zu vermitteln.

In den ersten Jahren empfehle ich euch, das massive Vermischen verschiedener Sprache zu vermeiden. So lernt euer Kind auch leichter, beide Sprachen zu unterscheiden. In welcher Sprache euch das Kind dann antwortet, ist dabei jedoch unerheblich. Es darf immer in der Sprache antworten, die es gewählt hat.

Jede Familie entscheidet individuell

Bei der Familie aus dem obigen Beispiel stellte sich heraus, dass ihr Sohn keine Sprachentwicklungsstörung hatte. Es handelte sich um sprachliche Auffälligkeiten, die mit einem Mehrspracherwerb typischerweise auftreten.

Hinsichtlich des Gebrauchs ihrer Sprachen entschied sich die Familie dann dafür, ihre Sprachen situationsabhängig zu trennen. Wenn der Vater mit den Kindern alleine ist, spricht er slowakisch mit ihnen. In Gegenwart anderer, die seine Muttersprache nicht verstehen, wechselt er nun ins Deutsche.

Wie ist das bei euch? Mit welcher Methode nutzt ihr, um die Mehrsprachigkeit in eurer Familie umzusetzen?

Es ist für Kinder ein großes Geschenk, zwei- oder mehrsprachig aufwachsen zu können. Denn sie erwerben nicht nur mehrere Sprachen und verschiedene Kulturen, die Mehrsprachigkeit wirkt sich auch positiv auf ihre kognitiven Prozesse aus.



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