Tipps zur Sprachförderung

Wie schaue ich ein Bilderbuch richtig an?

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Wenn ihr zusammen mit euren Kleinen Bilderbücher anschaut, fördert ihr nachweislich mit am effektivsten die Sprachentwicklung eurer Kinder. Wirklich wahr! Bilderbücher regen Kinder zum Fragen, Erzählen und Kommentieren an und fördern so die Sprachentwicklung. Buch angucken ist übrigens nicht gleich Buch angucken. Ihr könnt das auf unterschiedliche Weise tun. In diesem Beitrag verrate ich euch, wie ihr mit ein paar wenigen Tipps eure Kinder noch mehr bei ihrer Sprachentwicklung unterstützen könnt.

1. Bilderbücher vorlesen

In vielen Bilderbüchern für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren gibt es auch Text. Ich denke da an die wunderbaren Bücher von Sven Nordquist, wie Pettersson und Findus oder die Kuh Lieselotte. Oder an die Bücher aus dem ellermann-Verlag. Was solltet ihr beachten, wenn ihr euern Kindern vorlest?

1. Zwischenfragen sind erlaubt. Die beste Sprachentwicklung findet immer noch im Dialog statt. Also nehmt euch ausreichend Zeit, und geht auf die Fragen und Ideen der Kinder ein, die sie in diesem Augenblick loswerden möchten.

2. Es darf vorgeblättert werden. Ja, das kann sich etwas nervig anfühlen. Aber Kinderbücher sind für Kinder. Und wenn sie neugierig auf das Ende sind, oder noch mal vorn etwas nachgucken möchten, ist das ok. Wenn ihr mit dem Lesen aufhört, kann es auch passieren, dass ihr bald verwundert angesehen und gefragt werdet, warum ihr nicht mehr vorlest. Und schwups habt ihr wieder aufmerksame Zuhörer an eurer Seite.

3. Es darf geschauspielert werden. In jedem von uns schlummern ungeahnte schauspielerische Fähigkeiten. Hand drauf! Nutzt die ruhig. Kinder finden es überhaupt nicht peinlich, wenn Mama oder Papa mit verstellter Stimme, Mimik und Gestik, mal laut und mal leise, mal schnell und mal langsam, weinerlich, herrisch oder anderem Akzent vorlesen. Das ganze macht großen Spaß!

Warum betone ich das so? Ich versuche euch mitzugeben, dass es beim Vorlesen nicht (nur) darum geht, eine Geschichte von Anfang bis Ende gelesen zu haben. Vielmehr ist sie ein Weg, damit ihr euch mit euren Kindern austauscht, euch ankuschelt, Spaß miteinander habt. Dann erfahren Kindern umso leichter, dass es lustige und traurige Geschichten gibt und dass in Büchern viele interessante Informationen stecken. Das Kind erwirbt damit die besten Voraussetzungen für den Sprachzuwachs (Wortschatz, Grammatik) und die spätere Lesefreude.

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Ein Buch anschauen ist die perfekte Zeit, um sich aneinander zu kuscheln und gemeinsam in die Geschichte abzutauchen.

2. Bilderbücher erzählen

Wenn ihr euch gegenseitig von Erlebnissen, Erinnerungen und Geschichten erzählt, ist das unglaublich wichtig für die Sprachentwicklung. Das freie Erzählen ist eine Möglichkeit, Kinder in die Welt der Sprache zu führen und Freude an der Sprache zu wecken. Inhalte, die sich beim Lesen nur schwer eröffnen, werden beim Erzählen lebendig. Und Geschichten sind auch immer Nahrung für unsere Fantasie.

Verändert die Geschichten in euren Bilderbüchern ruhig einmal. Statt vorzulesen, könnt ihr einfach etwas erzählen: Was aus der Geschichte ist euch selbst schon einmal geschehen? Was davon gehört vielleicht zu einem gemeinsamen Erlebnis mit eurem Kind? Redet mit ihm darüber.

Eine andere Idee ist, Hauptdarsteller oder Figuren des Buches mit ihrem Kind reden zu lassen. Das finden die meisten Kleinen besonders toll!

3. Gemeinsam Bilderbücher angucken und darüber unterhalten

Wenn ihr euch gemeinsam ein Bilderbuch einfach anschaut, regt eure Kinder ruhig aktiv zum Entdecken, Benennen und Beschreiben an. Wechselt euch ab: mal hört das Kind euch zu, dann seid ihr der Zuhörer und das Kind erzählt. Hier könnt ihr durch gezielte Fragen und Hinweise weiterhelfen:

  • ein Bild auffordernd kommentieren: „Oh, schau mal da!“
  • persönliche Bezüge zu eurem Leben herstellen: „Bist du auch schon mal so doll auf dem Bett herumgehüpft wie Findus?“
  • über den Ausgang spekulieren: „Ob der Postbote die Kuh Lieselotte in ihrem Versteck entdecken wird?“
  • offene Fragen stellen: „Was würdest du machen, wenn du die Katze wärst?“

 

Gerade die offenen Fragen sind ein Schlüssel. „Was-ist-Fragen“ werden vorrangig mit „ja“ oder „nein“ beantwortet. Deshalb sind sie wenig geeignet, um in Gespräch zu kommen. Aber gerade das ist wichtig, um sprachliche Interaktion zu fördern. Wie schön und wichtig diese offenen Fragen sind, habe ich auch in meinem letzten Beitrag zum Philosophieren mit Kindern beschrieben.

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Diese 3 Bilderbücher nehme ich gern für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren.

Sprachentwicklung mit Bilderbüchern

Ich nutze Bilderbücher in meiner Therapie, um die Sprechfreude zu wecken, im Rahmen der Wortschatzarbeit, zur Förderung der grammatikalischen Fähigkeiten oder auch zur Stabilisierung eines bestimmten Lautes. Dabei habe ich ein bestimmtes Therapieziel vor Augen und mit dieser bestimmten Fragestellung schaue ich mir dann ein Bilderbuch an, zum Beispiel:

  • Was ist alles rrrot? – wenn wir den Laut „r“ üben
  • Wo ist…? – wenn wir Präpositionen üben
  • Was macht…? – wenn wir den Verbwortschatz festigen wolle

 

Übrigens: Ein gutes Kinderbuch ist das, was auch den Eltern gefällt und begeistert. Es hat keinen Zweck ein Buch vorzulesen, das euch nicht gefällt oder nicht interessiert. Wer noch ein schönes Bilderbuch für 3- bis 5-jährige Kinder sucht, kann mal in meinen Beitrag mit 3 Leseempfehlungen schauen.



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